Das Karpaltunnelsyndrom
Erfahrungsbericht meiner eigenen Operation am 21.11.2007
Ich danke der Praxisklinik Bosselmann & Siepe für die Genehmigung zur Veröffentlichung

Ich schreibe dies hier, weil ich sehr viel Schlimmes und Schlechtes über den Eingriff gelesen und gehört habe. Aufgrund dieser schlechten Berichte habe ich die OP vor mir her geschoben und bin das Risiko einer Lähmung eingegangen. Ich hoffe, dass die Google-Spider meinen Erfahrungsbericht schnell finden werden und vor all die schlechten Erfahrungsberichte stellen.

Im Februar 2005 wurde bei mir, an beiden Händen, ein Karpaltunnelsyndrom neurologisch gesichert.
Links konnten die Beschwerden noch mit einer Handgelenkschiene, die nachts getragen werden sollte, im Rahmen gehalten werden, aber rechts musste operiert werden. Mein Gott, auch das noch!

Ich googlete und fand auch jede Menge zu diesem Thema. Vorrangig Beschreibungen, was da in der Hand wie eingeklemmt ist und natürlich Krankenhäuser und Arztpraxen, die die OP durchführten. Aber auch Erfahrungsberichte von Betroffenen, bei denen etwas schief gelaufen war. Von Nachoperationen und Lähmungen und von monatelanger Krankengymnastik war hier teilweise die Rede. Nein, dieses Risiko würde ich nicht eingehen. Es ging immerhin um meine rechte Hand. Hätt’ ich doch blos nicht gegooglet.

Also gab es aus meiner Küche keine Kohlrabi mehr, denn die konnte ich schon lange nicht mehr schälen und schneiden. Nachts tobten teilweise Höllenstürme in meiner Hand rum. Um einen Knopf anzunähen brauchte ich immer länger, da die betroffenen Finger immer schneller gefühllos wurden. Bei schlechtem Wetter war sogar schon das Spülen der paar Teile, die in einem 1-Personenhaushalt (mein Mann ist 2006 gestorben) mit 3 Katzen anfielen, eine große Katastrophe.

Da gab ich auf einen Sonntag das Thema mal wieder bei Google ein. Diesmal stand als erstes eine Bonner Arztpraxis da, der man auch online Fragen stellen konnte. Sonntags sind die meisten Ärzte ja relativ ungefährlich und außerdem wird mit mir nur das gemacht, was ich will. Also gab ich in die Maske meine Frage ein: “Vor 2 1/5 Jahren wurde ein Karpaltunnelsyndrom festgestellt. Müsste ich jetzt wieder zu einem Neurologen um den Befund zu erneuen?” Ich hatte die Hoffnung, dass Sonntagsanfragen vielleicht übersehen würden.

Montags war dann eine nett formulierte Antwort da. Ich solle mich mit ihnen in Verbindung setzen, man würde aber gleichzeitig auch versuchen mich telefonisch zu erreichen. Dummerweise hatte ich auch meine Nummer angegeben. Ich saß in der Falle. Nun würde das Unglück seinen Lauf nehmen.

Ich bekam einen Untersuchungstermin. Viel erklären brauchte man mir ja nicht mehr, ich hatte ja gegooglet. Der OP-Termin wurde festgelegt, leider erst in 6 Wochen, da vorher noch viel operiert werden müsse. Gott sei Dank, ich hatte noch 6 Wochen Zeit NEIN zu sagen. Ich bekam Unterlagen, wie ich mich vor und nach der Operation zu verhalten hätte und erfuhr auch, dass das Ganze unter der örtlichen Betäubung des rechten Armes gemacht werden würde. Wieder so was Schreckliches, eine Betäubungsspritze unter den Arm.

Eine Woche vor dem Eingriff hatte ich einen Termin bei der Narkoseärztin, die mit mir alles besprach. Sie schaffte es tatsächlich, mir die Angst vor dieser Betäubungsspritze unter den Arm zu nehmen. Links würde eine Infusion gelegt und der Einstich wäre unangenehmer als die Narkosespritze. Nah, sie konnte mir viel erzählen, aber jetzt wollte ich auch selber durch, denn der Bonner Herbst ist nass und föhnig und die Beschwerden meiner Hand waren doch schon sehr groß bei diesem schlechten Wetter.

Am 21.11.2007 war es dann soweit. Ein nettes OP-Team empfing mich an diesem Buß- und Bettag. Die Narkoseärztin kam dann in den Vorbereitungsraum und legte die Infusion an. Ein kleiner Stich, aber das kennt man ja schon. Wir erzählten und sie machte sich unter meinem rechten Arm zu schaffen. Es war wirklich, und das sagt ein Feigling, kein bisschen schmerzhaft. Ich spürte nur mal hier ein Tupfen ihrer Finger, dann mal einen leichten Druck und ehe ich noch groß Gedanken an meine Angst verschwenden konnte, war die Betäubung drin. Mir fiel noch nicht mal unangenehm auf, dass das Gefühl aus dem Arm verschwand.

Einige Minuten später kam ich dann in den OP. Mein Arm wurde vor meinen Blicken versteckt. Dann kam der Doc. Eine süsse Brille hatte er auf. Damit konnte er bestimmt einer Ameise ein Bein amputieren. Dann verschwand er aus meinem Blickfeld. Wir redeten miteinander und als ich dann der Meinung war, er könne jetzt ja langsam mal mit der OP beginnen, sagte er: “So, fertig!” Sogar der Verband war schon drum.

Ich bekam 2 Schmerztabletten und konnte von meiner Freundin abgeholt werden. Mir ging es gut. Gegen Abend ließ dann die Betäubung nach. Ich hatte Gefühlsirretationen im ganzen Arm aber keine Schmerzen. Ich war allerdings ziemlich müde. Prophylaktisch nahm ich vor dem Schlafengehen mal eine Tablette ein, aber es hätte nicht sein müssen.

Ich schlief gut in dieser Nacht und hatte kein Höllenfeuer in der Hand. Am nächsten Morgen war das Gefühl wieder komplett da in meinem rechten Arm. Alle Finger fühlten sich an wie immer, aber ich glaube freier oder bilde ich mir das nur ein?

Am 22.11.2007 bekam ich dann die Drainage gezogen. Ein kleines Bisschen Blut war drin. Der Doc sah sich die Hand an und es wurde ein kleinerer Verband mit einer Gipsschiene angelegt.

Freitag, 23.11.2007

Da ich die Finger bewegen kann, kann ich mir sehr gut helfen. Schnürsenkel binden, die Maus führen und diese Zeilen schreiben. Ab und zu ziept mal die Narbe. Ein Marmeladenglas würde ich allerdings noch nicht aufmachen, obwohl ich denke, dass die Kraft dafür da wäre. Aber man soll es ja net übertreiben.

Da ich meinen Hausputz vorher gründlich gemacht habe, Mahlzeiten vorgekocht und eingefroren habe, bin ich auf keine fremde Hilfe angewiesen. Sogar schminken könnte ich mich. Dass ich schon wieder so blöde Gedanken habe, zeigt eigentlich doch, dass ich keinesfall schmerzgeplagt bin. Die weibliche Eitelkeit kommt schon wieder durch ........

Duschen geht übrigens prima mit einer Plastikeinkaufstüte, die ich am Arm mit einem dicken Gummi zu mache. Aber gucken, in manchen sind eingestanzte Löcher, durch die das Wasser eindringen kann.

Samstag, 24.11.2007

Es ist auffallend mehr Gefühl in den Fingern. Ich glaube die waren immer etwas taub. Das ist jetzt, am 3. Tag nach der OP, ganz eindeutig. Schmerzen habe ich keine, obwohl sich die Hand gestern etwas lahm anfühlte. Irgendwie überarbeitet. Allerdings hatten sich über Bonn auch alle Wolken, die woanders nicht zu gebrauchen waren, zusammengeballt. Es wird eine gewisse Wetterfühligkeit gewesen sein. Heute ist es verschwunden.

Mir ist erst jetzt richtig bewußt, wie oft ich nachts wach geworden war, weil meine Hand wie Feuer brannte und kribbelte.

Ich denke daran, das Stricken, jahrzehntelang meine Lieblingsbeschäftigung, wieder anzufangen. Leider musste ich das wegen dem Gefühlloswerden von Daumen und Zeigefinger aufgeben.

Mit dem Daumen erreiche ich jetzt bereits den Ringfinger. Gestern war es nur der Mittelfinger.Der Nerv scheint sich gut zu erholen.

Mann, bin ich froh, dass ich mich hab’ endlich operieren lassen!

Mittwoch, 28.11.2007

Heute ist die OP eine Woche her. Ich mache mit der Hand so gut wie alle gewohnten Arbeiten. Schwerere Tätigkeiten mache ich natürlich mit der Linken. Es ist aber schon sehr hilfreich, wenn man mit der rechten Hand wenigsten führen kann.

Ab und zu sticht es sowohl in der Muskulatur als auch in der Narbe. Die Finger sind voll beweglich und ich freue mich auf morgen. Da wird die Gipsschiene gegen einen normalen Verband ausgetauscht. Die Fäden bleiben aber noch bis zum 6. Dezember drin.

Mit dem Daumen erreiche ich jetzt den kleinen Finger. Aber nicht so gut. Das klappte allerdings vor 2 1/2 Jahren beim Neurologen auch schon nicht mehr, weil die Daumenmuskulatur da schon angegriffen war.

Ich überlege schon, ob ich morgen mit dem kleineren Verband vielleicht mit normalen Gummihandschuhen Gr. L duschen kann. Werde mir morgen gleich welche besorgen.

Ich glaube, es wird bald wieder frischen Kohlrabi geben.

Freitag, 30.11.2007

So, nun ist die olle Gipsschiene endlich runter. Es tut gut, die Finger nun komplett wieder bewegen zu können. Verursacht aber auch so was wie Muskelkater. Ebenso ist es mit dem Handgelenk.

Beim Verbandwechsel konnte ich mir auch endlich mal die Hand waschen. Es ist nicht schlimm, wenn über die Naht etwas Wasser läuft, denn die ist gut verheilt und trocken. Aber duschen und baden soll ich nicht ohne Schutz.

Also hab ich mir ganz dünne Gummihandschuhe gekauft. Die passen gut über den nun sehr kleinen Verband, der nur noch zum Schutz der Naht da ist. Ich kann endlich wieder, wie gewohnt mit einem Spülschwamm spülen und kann die Spülbürste, die ich extra für diesen Zweck gekauft hatte, einmotten.

Das Stechen in der Hand ist nun einem Jucken gewichen. Es juckt die alte Haut, die erst wieder ab muss. Es juckt die Narbe, aber ich komme ja zum Kratzen überall dran (natürlich nicht an der Narbe). Die Wetterfühligkeit lässt auch nach.

Täglich sind die Tätigkeiten, die ich ausführen kann mehr geworden. Ich kann die Hand strecken und auch biegen. Wenn es zuviel wird, ziepen die Fäden.

Das Wichtigste ist sowieso, dass ich meine 3 Katzen mit beiden Händen streicheln kann und das konnte ich ja schon direkt nach der OP. Und Hunger leiden musste auch keine, weil ich ihre Dosen auch gleich auf bekam. Wozu sind wir Dosis sonst da?

Montag, 3.12.2007

Gestern tat mir meine Hand aber ganz schön weh. Nicht die Narbe, sondern die Wurzel des Mittelfingers und das Handgelenk. Kam das durch den vielen Regen oder hatte ich ihr einfach beim Saubermachen am Samstag zu viel zugemutet. Auf jeden Fall habe ich sie gestern total geschont und heute ist es schon besser.

Donnerstag, 6.12.2007

So, nun sind die Fäden raus und ich habe nur noch einen kleinen Verband, den ich aber morgen selber entfernen kann. Ist schon ein komisches Gefühl. Hoffentlich hält alles zu. Ich soll weiterhin Greifübungen machen. Ich habe kein Problem damit. Verschiedene Drehbewegungen ziepen noch im Handgelenk und ich meine, meine Kraft ist noch nicht ganz wieder da. Das Handgelenk ist etwas schwach. Also Möbel würde ich noch nicht schleppen, oder nur die kleineren Sachen. Nah ja, um die größeren habe ich mich doch zeitlebens auch immer rumgedrückt ;o). Und das 15 Tage nach der OP.

Warum habe ich mich nur so lange mit diesen Beschwerden rumgeschlagen? Immer in dem Bewußtsein, dass es von selber nicht besser werden kann.

Samstag, 8.12.2007

Gestern habe ich nun auch den letzten Verband abgenommen. Die Naht ist noch sehr hart und ich klebe ein Pflaster drüber. Wenn ich z.B. Wäsche zusammenlege, bleibe ich hängen. Hoffentlich geht das schnell weg. Es ist ein unangenehmes Gefühl.

Montag, 17.12.2007

Heute musste ich zur Abschlussuntersuchung. Der Doc ist zufrieden. Die alte Haut ist fast komplett von der Narbe ab. Damit sie elastisch wird, soll ich sie mit Dexpanthenol einreiben. Das gibt es in der Apotheke (Bepanthen) oder auch im Drogeriemarkt. Da ich von Anfang an alles gemacht habe, brauche ich keine Krankengymnastik. Die Beschwerden, die ich jetzt noch habe, werden in den nächsten Wochen verschwinden.

Das Handgelenk ist immer noch etwas schwach. Wenn ich lange mit der Maus arbeite, bekomme ich leichte Schmerzen. Es fühlt sich fast an, wie eine leichte Entzündung des Handgelenkes. Ich lege dann eine Kühlmanschette drum und am nächsten Tag ist es wieder gut.

Vor einigen Tagen habe ich meine ersten Flick- und Näharbeiten gemacht. Es klappte alles wunderbar. Ich konnte in einem Rutsch durch arbeiten und würde mir auch wieder längere vielleicht Stickarbeiten zutrauen. Auch Window Color Arbeiten sind nun wieder drin.

.....und Kohlrabi gab es auch schon.......

Wenn meine linke Hand fällig ist, werde ich auf jeden Fall nicht so lange warten und mich vertrauensvoll wieder in die Hände des

Praxisteams Siepe & Bosselmann in Bonn begeben.

jhhjjgju

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