Ursprünge des Weihnachtsfestes

Das Weihnachtsfest ist, obgleich andere Kulturkreise wichtigere, bedeutungsvollere Feste feiern, überall auf dieser Erde das menschlichste, innigste, besinnlichste, versöhnlichste Fest, voll guter Hoffnung bei den Großen, voll ungeduldiger Vorfreude bei den Kindern.

Die geschichtlichen Wurzeln dieses in der Heiligen Nacht nahezu alle Menschen vereinenden Festes der Geburt eines Kindes verlieren sich im Dunkel früher Vergangenheit - die heutige Sinngebung kann, obwohl sie uns so selbstverständlich authentisch alt erscheint, nicht für sich in Anspruch nehmen, ursprünglich zu sein, und wer weiß, was in der ewigen Reihe geschichtlicher Veränderungen spätere Generationen dereinst im Sinn des Weihnachtsfestes suchen.

Schon bei der Bestimmung des Alters dieses so beliebten Familien- und Kinderfestes zeigen sich die vielfältigen Einflüsse, Interessenlagen und Irrtümer, denen das Fest im Laufe der Jahrhunderte unterworfen war bis zu seiner heutigen Gestalt. Da der genaue Tag von Christi Geburt unbekannt ist - auch die Bibel gibt über das Datum keinen Aufschluss - gab es in den frühchristlichen Gemeinden vielerlei mit großem Ernst vertretene Mutmaßungen, Berechnungen und Standpunkte über den genauen Zeitpunkt der Geburt.

Der 6. Januar, Epiphanias, der Tag der Erscheinung des Herrn und seiner Taufe im Jordan, schien vielen unter ihnen der einzig würdige Termin für die Begehung des Festes zu sein, und in der Ostkirche blieb dieser Tag, der gleichzeitig auch Jahresanfang der Urchristen war, eines der höchsten kirchlichen Feste.

Man muss sich dabei vor Augen führen, dass in den Ländern am Mittelmeer, dem kulturellen Zentrum der damaligen Welt, das noch junge Christentum nur eine von vielen Kult- und Glaubensrichtungen war, gleichsam umringt von alten, tief verwurzelten heidnischen Glaubensvorstellungen.

So setzte der römische Kaiser Heliogabal im frühen 3. Jahrhundert n. Chr. am 25.12. die Feiern zu Ehren des "Sol Invictus", des unbesiegbaren Sonnengottes zum sichtbaren Zeichen der Unbesiegbarkeit Roms an. Offiziell jedoch dominierte die Verehrung des mächtigen Sonnengottes Mithras, der vom heutigen Persien aus durch die römischen Legionssoldaten zu Hause bekannt wurde und dort Ende des 3. Jahrhunderts Staatsreligion war. Auch sein Geburtsfest feierte man am 25. Dezember und dieses im Volk beliebte Fest bildete einen idealen Identifikationspunkt, als Kaiser Konstantin um 330 für diesen Tag das Fest zur Geburt des Jesuskindes einführte.

Im Zuge der Christianisierung breitete sich der junge Brauch dann aus. So in Nord- und Mitteleuropa, wo am 25.12. das Julfest als Fest der Wintersonnenwende gefeiert wurde, so dass auch hier heidnische und christliche Glaubenselemente verschmelzen konnten. Im Jahr 813 erklärte die Synode VOR Mainz den 25. Dezember zum Kirchenfest für den deutschen Sprachraum, das dann von der Kölner Synode 1310 zugleich als Jahresanfang festgelegt wurde. Erst mit Innozenz XII. trennte sich 1691 der Neujahrstermin mit dem 1. Januar.

So konnte sich Weihnachten (das heißt soviel wie "in den geweihten Nächten") in Deutschland mit seinen vielen liebenswerten Eigenschaften als Familienfest für groß und klein entwickeln, mit seinem Weihnachtsbaum, den Kugeln und Kerzen, dem leckeren Backwerk und den Naschereien, den volkstümlichen Weihnachtsliedern, deren schönste im späten und frühen 19. Jh. entstanden sind, mit der Figur des Christkinds und des Weihnachtsmanns.

Und immer noch ist das Weihnachtsfest Veränderungen unterworfen, wie das Beispiel des Christkinds zeigt. Diese metaphysische Kunstfigur, die zumeist in Gestalt eines Engels auftritt, entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Noch um 1930 brachte das Christkind seine Gaben in Süd- und Westdeutschland, während der dort am Heiligen Abend und zu Weihnachten ungewohnte Weihnachtsmann seine Gaben in Mittel- und Norddeutschland verteilte. Unsere mediendurchlässige Gesellschaft nun hat dafür gesorgt, dass sich diese Grenzen verwischten und beide Symbolfiguren als lebendige volkstümliche Irrtümer definitionslos ineinander übergegangen sind. 

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